Stadt der Gesundheit - Quality Magazine
Das Sheba Medical Center in Tel HaShomer ist eine Oase des Friedens inmitten von Zwiespalt, Konfliktpotenzial und Verfeindung.
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Stadt der Gesundheit

Ich sehe was, was du nicht Du siehst und das macht Hoffnung: Ein jüdisches Herz lebt und schlägt weiter als das Herz eines palästinensischen Jungen. Wenn es um Leben oder Tod geht, ist (Nächsten-) liebe stärker als Hass.

Von Susanne Filter

Das Sheba Medical Center in Tel HaShomer ist eine Oase des Friedens inmitten von Zwiespalt, Konfliktpotenzial und Verfeindung. „Es geht um Medizin, bei uns ist jeder Patient willkommen, egal welchen Glaubens, egal welcher Herkunft, denn wir haben das Privileg ein Ort der Hoffnung zu sein“, erzählt Professor Yitshak Kreiss, Leiter des Chaim Sheba Krankenhauses. Palästinenser, Juden oder Christen werden zu friedlichen Vorkämpfern einer gemeinsamen Sache – dem Glauben an die Macht der Medizin und der Vision einer Stadt der Gesundheit. QUALITY hat mit Yitshak Kreiss darüber gesprochen, wie aus einem ehemaligen Militärkrankenhaus eine Heilstätte der Menschlichkeit wurde.

Yitshak, was ist das Sheba Medical Center?

Ich habe das Privileg, der Generaldirektor einer Institution zu sein, die in Israel und in der Welt einzigartig ist. Seit nunmehr 70 Jahren ist es das größte und umfangreichste medizinische Zentrum im mittleren Osten. Mit 9.000 Mitarbeitern ist Sheba der größte Arbeitgeber in Israel. 1948 wurde das Sheba Medical Center gegründet und wandelte sich vom Militärkrankenhaus zum staatlichen Krankenhaus.

Habt ihr ein eigenes Verkehrssystem im Krankenhaus?

Oh ja, wir haben Straßen, bauen gerade eine Metro-Linie und haben eigene Busse. Wir sind dabei, ein Krankenhaus zu einer Stadt der Gesundheit zu transformieren. Es gibt nicht viele Institutionen auf der Welt, die auf demselben Campus das allgemeine Krankenhaus, Kinder- und Krebskrankenhaus, Herz-Center und Rehabilitationszentrum, welches übrigens eines der größten der Welt ist, vereint. Es bietet eine allumfassende Kontinuität von Pflege in einer einzigen Institution, von der Notaufnahme bis zur akuten Versorgung, Rehabilitation, postakuter und ambulanter Pflege. Die Israelis nennen dieses Krankenhaus „Krankenhaus des Staates Israel“. Sie meinen, dass wir die Verantwortung haben, für die Nation zu sorgen. Wir stellen uns selbst der Verantwortung, jeden zu akzeptieren, jeden aufzunehmen. Wer zu Sheba kommt, findet Juden, Palästinenser, Muslime, Christen, Syrer, Kurden, Menschen aus der ganzen Welt, Seite an Seite.

Als Angestellte oder nur Patienten?

Sowohl als auch. Israelische Araber stellen etwa 50 Prozent meiner Mitarbeiter. Aber ich möchte auch über unsere Patienten sprechen. Wir akzeptieren alle Patienten, arm oder reich, versichert oder nicht. Das schafft eine besondere Atmosphäre, die DNA dieses Krankenhauses. Wir haben das Privileg, nicht nur ein Krankenhaus zu sein, sondern auch das, was ich eine „Oase des Friedens“ nenne, denn Medizin ist die einzige nicht politische Angelegenheit im Mittleren Osten.

So sollte es sein. Aber das gilt nur hier, oder kennst du andere Organisationen, die im Mittleren Osten auf dieselbe Art und Weise arbeiten?

Im Mittleren Osten nicht, aber in Israel. Jeden Tag kommen Palästinenser zu uns und konfrontieren uns mit neue Problemen aus Gaza, die schwierigsten Patienten überhaupt. Wir setzen ein Zeichen für den Frieden. Alles im Mittleren Osten ist politisch: Landwirtschaft, Sport, sogar Kunst. Das einzige nicht-politische Thema ist Medizin. Im Kinderkrankenhaus in Sheba sind ungefähr 30 Prozent der Patienten Palästinenser, hochkomplexe Fälle. Letzte Woche bekam ich einen Anruf: Man brauchte meine Zustimmung für eine Herztransplantation für einen Jungen namens Mohammed. Er war sechs Monate alt, aus Ramallah, sehr krank und kam mit angeborenem Herzfehler zur Welt, und sie brauchten meine Zustimmung, um das Herz eines jüdischen Jungen, der umgebracht wurde, in diesen palästinensischen Jungen zu transplantieren. Die einzige, offensichtliche und richtige Antwortet lautet: „Mach es“. Das war das erste Mal, dass eine Herztransplantation von einem Juden zu einem Palästinenser stattgefunden hat, mit sehr viel medizinischem Aufwand.

Das ist ja nahezu symbolisch.

Natürlich. Wie gesagt, das Kind ist sehr krank, aber ich hoffe, er wird überleben und dass es ihm gut gehen wird. Es sind genau diese sehr besonderen und emotionalen Momente, die uns Hoffnung geben, dass sich etwas ändern kann. Ich hatte die Ehre, viele humanitäre Arbeit und Missionen zu unterstützen, bevor ich zu Sheba kam und habe gelernt, dass, egal, was ist oder war, wenn du das Leben ihres Kindes rettest, können dich seine Eltern nicht länger hassen. Sie können unterschiedlicher Meinung sein, mit dir diskutieren, politisch anders denken, aber sie können dich nicht antisemitisch hassen. Jeden Tag haben wir bei Sheba das Privileg, einen weiteren Samen zu säen, ein weiteres Kind zu retten, eine weitere Familie aus dem Zirkel des Hasses zu erlösen. Erst eine Familie und dann noch eine und noch eine.

Aber gibt es keinerlei Diskussionen, von jüdischer Seite oder von Außenstehenden, die sagen: „Aber das ist doch gar kein jüdischer Junge, warum sollten wir ein Herz in einen palästinensischen Jungen transplantieren?“

Es ist alles sehr organisiert und reguliert. Aber es war das erste Mal, dass eine Transplantation zwischen diesen beiden Nationen stattgefunden hat. Zuerst muss man feststellen, ob das Herz nicht für einen israelischen Bürger verwendet werden kann. Manche Israelis würden sagen: „Warum müssen wir Ressourcen dafür bereitstellen, um Leute zu behandeln, die nicht unsere sind?“ Das ist eine legitime Diskussion, aber wir sagen, wir müssen unsere Hand reichen, um anderen zu helfen, denn wir sind Juden. Wir haben keine Wahl.

…aber die Welt ist nicht immer so.

Das ist richtig. Beispiel Syrien: Syrien ist ein feindlicher Staat. Wir haben keinen Frieden. Zeig mir ein anderes Land, das seine Feinde behandelt und gesund pflegt, das die komplizierten Patienten aus feindlichen Ländern ins eigene Land bringt, um sie zu heilen. Bei uns passiert das jeden Tag.

So betrachtet ist es ein wenig verrückt, dass es früher ein Militär-Krankenhaus war, oder? Und heute steht es mehrheitlich für Frieden!? Eine totale Transformation. Genau das ist unsere Idee. Jeder Mitarbeiter fühlt so. Ich erledige meinen kleinen Teil, aber der ist Teil einer großen Zukunft. Ich habe keinen Mitarbeiter getroffen, der sagen würde, dass es ein Problem darstellt, einen Syrer zu behandeln. Persönlich können sie unterschiedlicher Meinung sein, und wählen, welche politische Ausrichtung sie für richtig erachten, aber sobald sie die Grenzen des Krankenhauses überqueren, ziehen sie ihre weißen Kittel an und holen ihre weiße Flagge raus.

Und, wo wir von Religion in einem Krankenhaus sprechen, einer kleinen Stadt, habt ihr doch sicherlich eine Synagoge?

Eine Synagoge und eine Moschee. Wir haben keine christliche Kirche, weil wir nicht genug Christen haben, aber wir respektieren die christlichen Feiertage, die muslimischen Ferien, die muslimischen Zeremonien, das sind formale Feiertage, die bezahlt werden. Meine muslimischen Mitarbeiter sind die glücklichsten Angestellten auf der Welt, denn wir, die Juden, haben die meisten Feiertage im Vergleich zum gesamten Rest der Welt. Natürlich haben sie auch ihre muslimischen Feiertage. Also haben sie viel bezahlten Urlaub.

Denkst du, Israelis haben mehr Power, mehr Energie? Woher denkst du, kommt das?

Das müssen wir. Wir sind eine kleine Gemeinschaft, nur 8.5 Millionen Leute. Unser letzter Präsident, Schimon Peres, sagte einmal, als sie ihn fragten, warum Israel als Start-Up-Nation bezeichnet wird:„Wir haben keine Wahl. Das ist der einzige Grund. Wir müssen am Limit unserer Performance sein, denn wir haben keinen Raum, keine Mineralien, kein Öl, kein Land, kein Wasser. Und wir sind nicht von Freunden umgeben. Dies ist eine taffe Nachbarschaft. Wir müssen, andernfalls werden wir nicht überleben.“ Bei Sheba glauben wir, eine andere Rolle inne zu haben. Es gilt den internationalen Ein Fluss zu nutzen. Wir spielen eine humanitäre Assistenzrolle und arbeiten in vielen Ländern in der Welt. Wenn es Cholera in Sambia gibt, senden wir unsere Teams dorthin, wir arbeiten in Nigeria, Papua-Neuguinea, Puerto Rico, Haiti und mit Kindern aus Pakistan, die zu uns zu Sheba kommen. Wir glauben, dass wir eine internationale Rolle haben, denn wir verfügen über sehr viel medizinisches Know-how im Gesundheitssektor. Und wir betreiben in Sheba ein Center für humanitäre Medizin und Katastrophenhilfe, wo auch immer sich die Katastrophe abspielt.

Wann hat es angefangen, dass ihr euch für andere Länder und Probleme verantwortlich fühlt?

Vor langer Zeit wurde entschieden, dass wir in anderen Staaten ebenfalls eine Verantwortung haben. Ich persönlich hatte das Privileg der Armee und war Kommandant in einem israelischen Hospital in Haiti, auf den Philippinen, während der Tsunamis in Japan und 1999 im Kosovo. Wir haben Teams, die in der ganzen Welt eingesetzt werden können und akzeptieren auch, dass Menschen aus anderen Ländern in unsere Zentren kommen, um zu trainieren. In Florida trainiert mein Team an der Universität das Verhalten bei Tornados, quasi als Notfallvorbereitung. Das ist eine Art gegenseitiges Kollaborations-Projekt mit der Universität. Wie werden nicht dafür bezahlt. Als wir in Sambia waren, haben wir dies auch für die Menschen dort getan, das gleiche in Nigeria. Um diese Aktivitäten auf die Beine zu stellen, sprechen wir die Freunde von Sheba an, Unterstützer, Spender von überall her, aus der jüdischen, aber auch der nicht-jüdischen Gemeinschaft, zum Beispiel auch aus Deutschland, uns zu unterstützen.

Und wie ist deine persönliche Vision?

Meine Version für die nächsten fünf, zehn Jahre ist, das Gesundheitssystem zu transformieren. Sheba hat Modell-charakter für die Welt als eine Stadt der Gesundheit. Ich denke, das Gesundheitssystem würde die nächste Dekade nicht überleben, wenn wir so weitermachen wie bisher. Wir müssen uns nicht verändern, sondern transformieren. Der zentrale Punkt dieser Transformation besteht darin, die Patienten aufzubauen, ihre Bedürfnisse und die ökonomischen Hindernisse des Gesundheitswesens zu verstehen. Je erfolgreicher wir werden, umso weniger Leute werden sterben. Es wird als Folge also mehr chronische Patienten geben. Noch vor zehn Jahren hatten wir nur eine limitierte Anzahl an Krebspatienten, denn jedes Mal, wenn wir jemanden diagnostiziert haben, haben wir diese Person verloren. Heute leben unsere Patienten fünf, zehn, fünfzehn Jahre länger aufgrund der verbesserten Diagnostik. Die Menschen sind informierter und sich der Wichtigkeit von Kontrollbesuchen bewusster. Wir haben es also mit einem anderen, neuartigen Hindernis der Gesundheitsvorsorge zu tun. Wie können wir uns dafür rüsten? Es gibt Länder, die sich das schon jetzt nicht mehr leisten können. Wir müssen Qualität in der Medizin sicherstellen und nicht nach dem Motto arbeiten: „Wenn du mehr Geld hast, wirst du eher überleben, als wenn du weniger hast“. Deshalb müssen wir die Art ändern, wie wir Patienten behandeln, das Spektrum von Prognose zu Prävention, von Pflege und zur Rehabilitation.

Das bedeutet, dass die Menschen gar nicht mehr ins Krankenhaus kommen müssen?

Genau. Um die Belastung zu reduzieren. Wenn ich deine Genomik, deine Microbiome, deine Metabolome, deine Prodrome, oder jegliche –ome, die du dir vorstellen kannst, kenne und vorhersagen könnte, könnte ich dir genau sagen, für welche Krankheiten du empfindlich bist, und ich würde versuchen, ihnen zuvorzukommen. Wenn ich dich im Krankenhaus behandle, und du eine Kur machst und anschließend nach Hause gehst, will ich dafür sorgen, dass du kein zweites Mal zurück ins Krankenhaus musst. Jetzt ist das Krankenhaus darauf fokussiert, Patienten zu behandeln, wenn sie krank sind. Wenn man heute in mein Krankenhaus kommt, braucht es ein oder zwei Labortage, um den RMR zu bekommen, die Scans, beanspruchen zwei, drei weitere Tage und dann kann ich eine Diagnose abgeben. Wenn ich jedoch wüsste, was mit dem Patienten los ist, bevor er ins Krankenhaus kommt, kann ich die Tage bis zur Diagnose erheblich verkürzen.

Das bedeutet auch weniger Ausgaben.

Ja. Manchmal würde ich dem Patienten sagen: „Komm nicht ins Krankenhaus, bleib zu Hause. Du bist hospitalisiert, aber zu Hause. Ich werde dich über einen Monitor bei dir zu Hause beobachten.“ – Das ist das, was wir die digitale Transformation nennen. Ein anderer Faktor dieser Transformation, der obligatorisch und essenziell ist, ist die Kontrolle und ständige Überwachung über Monitore, um den Patienten aus der Ferne zu behandeln. Wir haben bereits heute Roboter in Sheba. Wenn du zu uns kommst, zu den intensiven Pflege-Units, siehst du Patienten, zu denen ein Roboter kommt und an sein Bett tritt, da der Arzt vor neun Uhr morgens nicht da ist. Also gibt es zwar jemanden, der Dienst hat, aber der Experte ist zu Hause. Und der Roboter übernimmt das Monitoring des Patienten mit einem Online-Video, während der Doktor seine Patienten im Krankenhaus mithilfe des Roboters von Zuhause aus behandeln kann. Warum sollte also nicht das Gegenteil möglich sein? Wenn der Roboter zu Hause ist, und der Arzt im Krankenhaus, können wir das Gegenteil tun. Meine Vision: Sheba in eine Stadt der Gesundheit zu transformieren, die nicht nur Israel zu Gute kommt, sondern auch international Wirkung zeigt.

Das ist ein imposantes wie innovatives Projekt.

Ebenso wichtig ist ein Center für medizinische Innovation zu kreieren. In meinem Fall, weiß ich, dass ich Sheba transformieren muss, aber ich weiß nicht immer wie. Dann gehe ich zu meinen Leuten, erkläre die Fragegestellung und was wir erreichen wollen. Aber ich habe keinerlei Idee wie. Die Menschen in unserem Innovationscenter suchen nach Lösungen für etwas, was wir uns derzeit nur vage vorstellen können. Und manchmal passiert es sogar, dass sie die Antworten haben, aber wir noch gar nicht auf die Frage gestoßen sind. Die technologische Welt rennt viel, viel schneller, als wir es gewohnt sind. So passiert es manchmal, dass die Innovationsexperten bei Sheba und die technologischen Standards mit einer Lösung kommen und dann kreieren wir das Problem zu der Lösung. So schaffen wir Bewegung. Das ist die einzigartige Atmosphäre bei Sheba, dass, wenn du die Vision zu einer Transformation hast, du auch im nächsten Schritt die entsprechenden Plattformen dafür kreierst. Verschiedene Energien, die zusammen fließen. In eine andere Art von Kollaboration. Juden und Israelis denken immer, dass sie alles können. Aber niemand kann das alleine bewerkstelligen. Deshalb haben wir Kollaborations-Vereinbarungen kreiert mit den nordamerikanischen Institutionen, sowie einigen europäischen und nun bewegen wir uns an die Weltfront, um global zu agieren. Gerade erst hatten wir in Israel ein besonderes Gipfeltreffen, das Sheba Summit heißt und an dem insgesamt 17 CEOs von großen europäischen und amerikanischen Institutionen sowie 17 Führungskräfte aus Israel teilgenommen haben. Ich war überrascht, wie viele teilnehmen wollten. Mal davon abgesehen, dass es sehr interessant ist, nach Israel zu kommen, war bemerkenswert zu sehen, wie sehr meine europäischen und amerikanischen Kollegen nach einer Plattform wie dieser gesucht haben, zusammen zu sitzen und über die Zukunft nachzudenken.

Das ist eine starke Vision und ich denke jetzt ist die beste Zeit, die wir jemals hatten, um so etwas umzusetzen. Wir leben in einer Zeit der Veränderung. Wir müssen neue Positionen, neue Werte finden und entscheiden, welche Werte wir schützen möchten.

Das sehe ich genauso. Ich fühle es mehr bei der jüngeren Generation, als bei der älteren Generation. Junge Ärzte, Forscher und Techniker: sie wollen die Welt verändern, etwas erreichen, inspirieren, um die Zukunft der Medizin zu verändern. Sie bewegen etwas. Sie interessieren sich nicht für ihre Existenz, sie interessieren sich für ihr Wohlergehen, das Wohlergehen der Welt, der Patienten. Und damit sind wir wieder am Anfang: Verantwortung. Sie fühlen, dass sie auch der Welt gegenüber eine Verantwortung haben. Für die Umwelt. Für die Menschheit. Für die Wissenschaft. Nicht nur für die Zukunft der Medizin. Für die Zukunft der Gesellschaft. Ich bin die zweite Generation meiner Familie, mein Vater ist vor dem Holocaust nach Israel geflohen. Er hatte Angst um sein Leben. Ich wurde in einem Land geboren, das um und für seine Existenz gekämpft hat. Aber meine Kinder haben keine Existenzängste, sie wissen, dass sie sehr sicher sind, aber sie kümmern sich um ihre Verantwortung.

Wie alt sind deine Kinder jetzt?

26 Jahre, eine Elektro-Ingenieurin. Ich habe noch eine 23-Jährige, die gerade mit der Armee fertig ist und nun studieren wird und eine 18-Jährige, sie ist die Managerin bei uns zu Hause. Sie ist sehr stark. Die Frauen in meiner Familie sind alle sehr stark. Du solltest meine Frau sehen. Sie war die Frau des Jahres in Israel. Sie ist Raketenforscherin und arbeitet gerade an einem Satelliten-Programm in Israel. Da kannst du genau das sehen, worüber wir gerade gesprochen haben, Ingenieure, die versuchen, die Welt zu verändern.

Deine Familie ist die Keimzelle der Zukunft?

Wir sehen uns gerne so. Jetzt versuchen wir Wege zu finden, in dieser Innovation zu kollaborieren. Es gibt zum Beispiel ein Start-up, das Medizin ins All bringt, das ist ein cooles Experiment. Meine Frau bringt die Satelliten, wir bringen Röhren und Schläuche und wir machen etwas mit Medikamenten im Weltall. Das Sheba Medical Center wird das erste Krankenhaus in Israel sein, das eine wissenschaftliche Mission in den Weltraum startet. Die Sheba-Forschungsmission ist Teil einer gemeinsamen Anstrengung mit SpacePharma, einem in Israel ansässigen Unternehmen, das es Kunden ermöglicht, anspruchsvolle Nanolabs in den Weltraum zu schicken.

Shebas Experiment (eines von mehreren an Bord des Satelliten) wird die Auswirkung der Schwerelosigkeit auf Bakterien untersuchen, die schnell gegen Antibiotika resistent werden – eine gefährliche Entwicklung, die die globale medizinische Gemeinschaft herausfordert. Unsere Rakete startet Ende Oktober.

Sie waren zu Gast beim diesjährigen Nahost-Gipfel in Bahrain. Was ist Ihr Fazit der Veranstaltung?

Der Gipfel erzeugte ein immenses Wohlbefinden und schuf ein fruchtbares Umfeld für die Diskussion und Förderung gemeinsamer Ideen und Initiativen mit Eltern und Kollegen aus der gesamten Region.

Und das Wort Sheba, was bedeutet es?

Professor Chaim Sheba war der Gründervater von Sheba. Aus Tel HaShomer, das ist die Gegend, in der die militärische Basis war, bevor es Sheba gab. Er hatte ein sehr interessantes Leben. Er war Sergeant General der Israel Defense Forces vor 70 Jahren und von dieser Position aus hat er Sheba gegründet. Vielleicht kann ich die Hälfte von dem erreichen, was er in seinem Leben erreicht hat. Das hoffe ich. Meine Vorfahren haben diesen Ort aus dem Nichts erschaffen. Ich habe ein Empire geerbt, also sollte es für mich etwas einfacher sein, die Zukunft zu gestalten. Ich bewundere ihre Arbeit.

Du kannst stolz darauf sein, Teil dieses großen Projektes zu sein.

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