Mit allen Sinnen - Quality Magazine
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Mit allen Sinnen

Der Espace Louis Vuitton München zeigt vom 26. Juni 2020 bis zum 10. Januar 2021 das Werk The Flavor Genome (2016) der südkoreanisch-amerikanischen Künstlerin Anicka Yi. Damit wird die Künstlerin auch als diesjährige Preisträgerin des „Award for the Filmic Oeuvre“ gewürdigt. Von Louis Vuitton gestiftet, wird die Auszeichnung anlässlich des Münchener Festivals KINO DER KUNST verliehen. Die 3D-Projektion von Anicka Yi wird zeitgleich vom Werk der US-amerikanischen Künstlerin Trisha Donnelly begleitet. Die Doppelschau aus Arbeiten, die Teil der ständigen Sammlung des Hauses sind, bildet die Fortsetzung des „Hors-les-murs”-Programms der Fondation Louis Vuitton.

In ihrem Oeuvre beschäftigt sich Anicka Yi mit dem Tierreich an der Schnittstelle zwischen Arten, Hybridität und Bestäubung. The Flavor Genome reflektiert in einem ständigen Austausch das Wirkungsgeflecht zwischen Flora und Fauna und das Potenzial von künstlich produzierten Aromen sowie Düften. Der in 3D gedrehte Film zeigt diverse Szenen im brasilianischen Regenwald: Einmal sammelt die Künstlerin Daten, ein anderes Mal wandert sie träumerisch durch die Gänge eines Orchideen-Treibhauses oder fährt in einem Kanu einen Fluss entlang. Begleitet werden die emblematischen Szenen von animierten Sequenzen von Zellen und Mikroorganismen und Szenen, in denen eine anonyme Wissenschaftlerin Orchideen in einem fremden Labor untersucht. Eine surreal anmutende Atmosphäre und eine Narrative, die dem Genre des Science Fiction entnommen ist, verbinden sich zu einer Symbiose mit biomedizinisch-wissenschaftlichem Vokabular. Die dargestellte Natur in The Flavor Genome ist geprägt vom technischen Fortschritt in der Wissenschaft und unserem Leben, zeigt aber auch die Ressourcenverknappung im globalen Süden durch ein exorbitantes Konsumverhalten der westlichen Länder.

Anicka Yi, The Flavor Genome (2016) | © Anicka Yi. Courtesy of the Fondation Louis Vuitton. Work presented in partnership with Solomon R. Guggenheim Museum, New York

Parallel dazu wird das Video Untitled (2008) gezeigt, das ein inhaltlich passendes Werk der kalifornischen Künstlerin Trisha Donnelly ist, die zu einer ikonischen Gestalt der New Yorker Kunstszene avanciert ist. Donnelly schafft in ihrer Kunst hybride Formen, die eine gleichzeitig fremde und vertraute Welt bevölkern. Gescannte oder gefilmte Bilder werden manipuliert, modelliert oder bis zur Auflösung geschreddert. Wie lebende, formbare und vor allem sensible Organismen verwandelt die Künstlerin alles zu „ihren“ eigens dienenden Objekten. Jedes Werk von Donnelly trägt den Namen Untitled und wird ohne Etikettierungen, Erläuterungen oder zusätzliche Infos gezeigt. Untitled ist ein Enigma des Nichtkommunizierbaren und gleichzeitig eine surreale, zeitgenössische Internet-Collage: Energiestrahlen oder Blitze, die aus einer Rose heraussprühen, vereinen sich in Synergie mit dem Foto einer uniformierten, Zigaretten rauchenden Frau und einem mysteriösen, künstlichen Nebel.

Beide Künstlerinnen erschaffen einen unvergleichlichen Entwurf mittels visueller Montage und Aromen-Analyse, auf welche Art und Weise Sinneseindrücke und Sinneswahrnehmungen unser Verhalten beeinflussen. Anicka Yi sprach von „einer Biopolitik der Sinne“.

Anicka Yi (*1971 in Seoul, Südkorea) lebt und arbeitet in New York. Ihr Oeuvre der letzten zwölf Jahre bezieht sich auf die einzigartige Forschung von Naturwissenschaftlern, Biologen und Parfümeurs und oszilliert an der Schnittstelle zwischen Politik und Makrobiotik. Anicka Yi verleiht ihren Installationen, Skulpturen und Filmen einen unverwechselbaren Charakter durch verschiedenste Materialien, zu denen u.a. Ameisen, Felle, Körperflüssigkeiten und Bakterien zählen. Aus ihren Arbeiten resultiert eine alchemistische Experimentierfreude, die oft eher unvereinbare Materialien erforscht. Zeitgleich kreiert Yi eine immersive Wirkung, indem sie 3D-Videos einsetzt oder olfaktorisch erlebbare Umfelder schafft.

Portrait Anicka Yi | © Fondation Louis Vuitton & Martin Raphaël Martiq

Trisha Donnelly wurde 1974 in San Francisco geboren, wo sie immer noch arbeitet und lebt. Nach einem Bachelor-Studium der Bildenden Künste an der University of California in Los Angeles, absolvierte sie ein Studium an der Yale School of Art, New Have, das sie mit dem akademischen Grad Master of Fine Arts im Jahr 2000 abschloss. Donnellys Arbeiten sind vor allem von mystischen Erkundungen und ätherischer Ästhetik geprägt, die aus der Esoterik der 1960er Jahre bekannt sind. Mit ihrem Oeuvre befasst sie sich jedoch mit der gegenwärtigen Hyperkommunikation, fragmentierten sowie kollidierenden Bildern und dem hektischen Konsum des 21. Jahrhunderts. Donnellys Werke überlassen es den BetrachterInnen, sich an der Kunst zu beteiligen und sie akzeptieren oder genau das Gegenteil zu tun.

Die Fondation Louis Vuitton präsentiert als öffentliche Institution ausschließlich Gegenwartskunst von zeitgenössischen KünstlerInnen sowie Kunst aus den Strömungen des 20. Jahrhunderts, die diese maßgeblich beeinflussten. Ziel der Sammlung der Fondation und der dazugehörigen Ausstellungen ist es, diese Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Museumsgebäude der Fondation Louis Vuttion wurde in beeindruckender Weise vom kanadisch-US-amerikanischen Architekten Frank Gehry entworfen und repräsentiert ein in die Zukunft weisendes künstlerisches Statement und gilt bereits als emblematisches Beispiel der Architektur des 21. Jahrhunderts. Mehr als sechs Millionen BesucherInnen aus aller Welt waren seit der Eröffnung im Oktober 2014 in der Fondation zu Gast.

Auch wurde das „Hors-les-murs“-Programm ins Leben gerufen, das speziell für die der Fondation assoziierten Kunsträume – die Espaces Louis Vuitton in Seoul, Peking, München, Venedig und Tokio – konzipiert wurde. Das Programm widmet sich ausschließlich der Sammlungspräsentation der Fondation, die Ausstellungen sind öffentlich bei freiem Eintritt zugänglich und fester Bestandteil des Kulturengagements des Hauses.

Anicka Yi

The Flavor Genome featuring Trisha Donnelly

Selected Works from the Collection

26.06.2020 – 10.01.2021

Espace Louis Vuitton München

Maximilianstraße 2a

80539 München

Montag bis Freitag 12–19 Uhr, Samstag 10–19 Uhr

Freier Eintritt

www.fondationlouisvuitton.fr

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