second life - Culture
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second life

Man nehme einen schrottreifen Mercedes, füge 12.000 Stücke Altmetall von der Mülldeponie dazu, bearbeite das Ganze mit einer Schleifmaschine, vermische alles mit einer Prise Andy Warhol und F. Scott Fitzgerald und fertig ist das „Wreck“ à la Griska.

Von Stephanie Sommerfeld

©Philadelphia Contemporary

 

Jordan Griska ist ein passionierter Schrottsammler und Skulpteur aus Philadelphia. Der Bachelor of Fine Arts wurde ihm 2009 cum laude von der University of Pennsylvania überreicht. Seitdem erhielt der heute 32-jährige Wahl-Brooklyner zahlreiche Auszeichnungen und Ausstellungen in Philadelphia, New York und Miami. Zu den Werkzeugen des Künstlers gehören nicht etwa Pinsel, Farbe und Leinwand, sondern Winkelschleifer, Bohrmaschine und jede Menge Altmetall. Was andere als Schrott bezeichnen, stellt für Griskan den wesentlichsten Teil seiner Kunstwerke dar. Sein Spezialgebiet: lebensgroße Kunst aus alten Transportmitteln zusammenschrauben.

©Philadelphia Contemporary

 
Für das Werk, pardon Wreck, besorgte er sich einen schrottreifen Mercedes Benz S550 und wandelte diesen mit Hilfe einer 3D-Animation und 12.000 hochglanzpolierten Edelstahlteilen in ein schimmerndes, lichtreflektierendes Vehikel um, das Luxus und Vergänglichkeit symbolisieren soll. Das Spiel mit Kontrast und Bewegung machen einen wesentlichen Teil von Griskas Kunst aus. Wreck wirkt wie ein glitzerndes Luxusauto. Das s​cheinbar aus tausenden von Glassplittern zusammengesetzte Artefakt wurde letztes Jahr in einem stillgelegten Warenhaus in Philadelphia ausgestellt. Heute befindet es sich in Privatbesitz. Inspiration für das Werk fand der Künstler in Andy Warhols Car Crash Serigraphien.

©Philadelphia Contemporary

 
Eine weitere Installation rockt die ​Lenfest Plaza vor der Pennsylvania Academy of Fine Arts. Für das monumentale „Grumman Greenhouse“ verwandelte Griska einen auf eBay ersteigerten Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg in ein funktionales Kunstwerk. Im Innern des scheinbar verunglückten Flugzeuges Grumman Tracker II wurde ein urbanes Gewächshaus installiert, das über Solarpanels betrieben wird. Einmal im Monat heißt es dann: Erntezeit. Die herangezüchteten frischen Kräuter, Kohlköpfe und Paprika werden an hilfsbedürftige Familien gespendet. Das Saatgut dafür stammt aus lokalen Gärtnereien. Ein Kriegsflugzeug,​gebaut um zu zerstören​ wird zum Kaldarium, ​welches​ Leben in sich trägt und​ ​Überleben ermöglicht.

©PAFA

 
Jordan Griska ist ein „Hochstap​ler“, ein Transformator und ein Alchemist, der Müll in Kunst verwandelt und dabei neue Wertekreisläufe entstehen lässt. Von der Luxuskarosse zum Autowrack, vom Kriegsbomber zum Gewächshaus. Dekadenz und Absturz. Zerstörung und Leben. Jordan Griska versteht es die Schönheit des Verfalls ​und des Wandels ​gekonnt in Szene zu setzen.

 

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